Jana E. Hentzschel
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So eine Pfeife!

Kaum konnt‘ er laufen, jagte er
dem runden Leder hinterher.
Er wollte Fußballprofi werden,
der beste Spieler hier auf Erden.

Die Schule endlich bringt vor Ort
den heißgeliebten Mannschaftssport.
Der Trainer nimmt ihn gern mit rein –
im Team soll er der Stürmer sein.
Das Tor jedoch, das trifft er nicht,
obwohls nun seine Fußballpflicht.

Drum spricht der Coach: „Geh auf die Seite
und zieh das Spiel schön in die Breite;
als Flügelspieler musst du‘s wagen,
die Flanken scharf vors Tor zu schlagen.“

Der Ball, er fliegt … mal so, mal so,
fast immer hoch ins Nirgendwo.
So schickt der Trainer ihn ein Stück
ins Mittelfeld zurück;
soll dort des Gegners Lücken finden
und dann die Abwehr überwinden.

Er sieht die Lücken, passt nach vorn …
Kein Ball kommt an, er hört den Zorn.

Und weil er nicht gut passen kann,
wird er der neue Abwehrmann.

Im Zweikampf aber ist er schlecht,
die eigne Mannschaft dadurch schwächt;
und als er dann im Kasten steht,
fast jeder Schuss ins Tor reingeht.

Der Trainer spricht mit leichtem Frust:
„Ich seh den Ehrgeiz, seh die Lust,
dein Blick fürs Spiel ist exzellent,
doch leider hast du kein Talent.
Ich kann dich nicht mehr spielen lassen.“

Der junge Mann kann es nicht fassen.
Die Tränen fließen und er hört,
wie ihn der Trainer sanft beschwört.

„Doch bleib erhalten diesem Sport
und werde Schiri ab sofort.“

Der Junge schnieft: „Hast du nen Knall?
Da spiele ich ja ohne Ball!“

Der Trainer cool: „Das mag ja sein,
doch bist du Chef dann ganz allein.“

Da fasst der Bursche neuen Mut.
„Das klingt nicht schlecht, ja richtig gut.“
Er greift zur Pfeife und den Karten;
jetzt will er nicht mehr länger warten.

Mit Überblick und gestenreich,
nie überhart und nie zu weich,
Gerechtigkeit ist stets sein Ziel,
so leitet er ein jedes Spiel –
und wird, sieh an, im Lauf der Zeit
der beste Schiri weit und breit.

***