Jana E. Hentzschel
Impressum | Datenschutz | Kontakt
Home
    Gedichte  |  Geschichten  |  Veröffentlichungen  |  Treffsicher  |  über mich
Gedicht des Monats:

April

März
Februar
Januar
*
2020
Dezember

November
Oktober
September
August
Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar
*
2019
Dezember

November
Oktober
September
August
Juli
Juni
Mai
April

Das Ostertier
 
Dem Hasen wird der Magen flau.
Er ist am Ziel und weiß genau,
die Zahl der Eier haut nicht hin,
im Körbchen sind noch sieben drin.
 
Zu wenige wär kein Problem,
im Lager stets Reserven stehn.
Doch Überschuss, sein Herz wird schwer,
bedeutet, manches Nest blieb leer.
 
Denn eins ist sicher wie sonst nichts,
im Schweiße ihres Angesichts,
da haben Helfer sich gequält
und Ei für Ei exakt gezählt.
 
Die Ohren schlapp, im Bauch die Wut.
„Die Nacht verlief bislang so gut,
gab weder Regen, Sturm noch Schnee,
ich stürzte nicht, mir tat nichts weh –
und dann das große Pech am Ziel,
hab sieben Eier nun zu viel.“

Da fällt sein Korb auf einmal um,
ein Waschbär schnüffelt frech drin rum.
Der Hase schimpft: „Was soll denn das?“
„Schon gut, ich dacht, hier gibt es was!“

„Hier gibt es nichts, lass mich in Ruh!“
„Nun, das entscheide ich, nicht du;
denn dieses Land ist mein Revier.
Bist du nicht dieses Ostertier!?“
 
„Das stimmt. Ich habe nachts verteilt,
mich aber wohl zu sehr beeilt,
denn leider hab ich insgesamt
die sieben hier zu viel. Verdammt!“
 
„Dann schenk sie mir! Ich nehme sie.“
„Das kann ich nicht. Ich tat‘s noch nie;
denn jedes Ei in dieser Nacht
ist nur für Zweibeiner gedacht.“

„Zu schade! Habe Kinder vier –
und diese lieben, glaube mir,
den ganzen Süßkram wahrlich sehr,
nur ihn zu kriegen, das ist schwer.“

Der Hase plötzlich stutzt und schluckt,
zum Waschbär und zum Korbe guckt,
dann lacht er laut und holt spontan
vier Eier voll mit Marzipan.
„Für dich, mein Freund, ich danke dir,
mit liebem Gruß vom Ostertier!“

Schon hetzt er über Stock und Stein
zum Lager hin und schleicht sich rein.

Vier neue süße Eier schnell
ins Körbchen rein, gleich wird es hell.
Er flitzt, noch immer unentdeckt,
in seinen Garten und versteckt
die sieben Eier, hetzt ins Haus
und schaut zum Küchenfenster raus.
 
Die Liebste kommt dazu und haucht:
„Verbandszeug wird heut nicht gebraucht?“
„Nein, diesmal war‘s ne schöne Tour.
Ich löste alles mit Bravour.“

„Nur unsre Kinder offenbar
beinah vergessen dieses Jahr!?“
Der Hase zwinkert, dann ein Kuss.
„Ach was, das Beste gibt’s zum Schluss!“